1. Tag: Von Sölden (1368m) zum Brunnenkogelhaus (2738m)
Von Sölden beginnt unsere Tour mit einer rasanten Fahrt mit dem Wanderbus zu Fiegl’s Alm. Von dort erst kurz die Forststraße ins Windachtal, dann rechts über die Brücke der Windachache. Ab hier auf steilem Steig durch den Bergwald -begleitet vom Plätschern der Bäche und Wasserfälle- die wir häufig auf Steinen balancierend überqueren. Oberhalb der Waldgrenze erreichen wir Berghänge, überwuchert von Preisel- und Heidelbeersträuchern, und es ging stetig bergauf. Durch das Schönkar führt dann der schrofige und felsige Bergpfad hinauf zum Brunnenkogelhaus und wir genießen auf der gemütlichen Terrasse den 360° Rundumblick nach Sölden, Hochsölden, Gaislachkogel und ins Venter Tal.
2. Tag: Vom Brunnenkogelhaus (2738m) zum Gasthof Hochfirst (1800m)
In der Nacht hat es sehr stark geregnet und gestürmt! Unsere heutige Route führt über den Hochstubai-Panoramaweg und über den Erzherzog-Eugen-Weg hinüber zum Timmelsjoch und von dort hinunter ins Passeiertal zum Hochfirst. Dabei sind einige Gipfel zu überschreiten die Trittsicherheit erfordern und die steile Abstiege beinhalten. Auch am Morgen regnet es immer noch, Nebel zieht auf, und die Wettervorhersage beinhaltet kaum Wetterbesserung über den Tag! Wir sind uns einig, dass wir bei diesen Bedingen den Höhenweg nicht gehen werden. Weitere Gäste sind der gleichen Meinung und auch der Hüttenwirt rät von einer Begehung ab! Um heute trotzdem zum Hochfirst zu kommen entscheiden wir uns für den Abstieg auf dem von gestern bekannten Aufstiegsweg zu Fiegl’s Alm, fahren von dort mit dem Wanderbus hinunter nach Sölden, von dort mit dem Bus über die Timmelsjoch-Hochalpenstrasse nach Italien/Passeiertal zum Gasthof Hochfirst.
3. Tag: Vom Gasthof Hochfirst (1800m) zur Schutzhütte Schneeberg (2355m)
Wir sind jetzt in Italien, bzw. in Südtirol im Passeier Tal! Nach einem ausgezeichneten Abendessen, mehreren Runden Kniffel, einer entspannten Nacht und einem üppigen Frühstück machen wir uns auf den Weg zur Schneeberghütte. Vom Gasthof gehen wir auf der Timmelsjochstrasse etwa einen Kilometer bergab bis zu einem Wanderparkplatz. Wir halten uns an die Beschilderung, die Morgensonne wärmt schon kräftig und lässt die umliegenden Gipfel rötlich leuchten. Ungewollt erreichen wir nach wenigen Minuten den Tomele-Kaser und stellen fest, dass wir eine Abzweigung verpasst haben. Ein älterer, freundlicher Almerer zeigt uns den Weg und ist offensichtlich erfreut darüber, dass er sich heute nicht nur mit den Kühen, sondern auch mit Menschen unterhalten kann! Mit Handy hat er nichts am Hut, aber nach mehreren Versuchen gelingt es dann doch, dass er von uns noch ein Foto macht. Eine sehr schöne Begegnung! Wir steigen auf dem Knappenweg bergauf, passieren die Schönauer Alm, durchqueren einen Lärchenwald und erreichen über einen Höhenweg das unterhalb der Schutzhütte liegende Gelände eines ehemaligen Erzbergwerks, welches heute als Bergbaumuseum unterhalten wird. Jetzt wird es noch einmal steil, entlang des Schrägaufzugs steigen wir nach oben und erreichen um die Mittagszeit die Hütte. Der Tag ist noch jung, und rund um die Hütte gibt es mehrere Themenwege zum Bergbau. Wir steigen hoch zum Kleinen Schwarzsee, an dem ein Geologenteam gerade Vermessungsarbeiten durchführt, erleben deren Abholung mittels Hubschrauber, und wandern dann über einen Erlebnispfad zurück zur Hütte. Nach der Anmeldung beziehen wir unser Gruppenzimmer, nutzen die kostenlose Warmwasserdusche, genießen das Abendessen mit Nachschlag, und spielen bis zur Nachtruhe noch einige Runden Karten.
4. Tag: Von der Schutzhütte Schneeberg (2355m) zur Siegerlandhütte (2710m)
Nach einer Nacht mit Geläut von Kuhglocken wandern wir am Donnerstag bei leicht bewölktem Himmel zur Siegerlandhütte. Über die Wiesenhänge der Schneeberger Alm führt der Aufstieg teils recht steil und schrofig in die Karlsscharte (2663m) begleitet erst vom Geläut der Kuhglocken, später vom Pfeifen der Murmeltiere. Hier bietet sich uns ein wunderbarer Blick auf die umliegenden Berge, etwa Schwarzwandspitze, Hofmannspitze, Königshofspitze und eine Vielzahl von mäanderartigen Bachläufen unten im Tal. Dann ständig auf und ab und teils im Blockgelände zum großen Timmeler Schwarzsee (2512m), der zu einer Brotzeitpause einlädt. Dann beginnt der schwierige und spannende Teil der heutigen Route - der Aufstieg in die Windachscharte, der am Ende sehr steil und Felskraxelei mit Einsatz von Händen fordert. Oben angekommen sieht man schon weiter unten die Siegerlandhütte. Die Windachscharte (2846m) liegt auf der Grenze zwischen Italien und Österreich. Der Abstieg zur Hütte ist recht steil, geröllig bzw. von Blockgelände geprägt. Nach vielen Auf- und -Abs in diesem Blockgelände erreichen wir die Siegerlandhütte (2710m).
5. Tag: Von der Siegerlandhütte (2710m) zur Hildesheimer Hütte (2899m)
Am Freitag starten wir bei windigen und bewölktem Himmel zur Hildesheimer Hütte. Bald zieht es zu, Nebel bricht rein und es beginnt zu regnen. Die Route führt erst moderat abwärts über Blockgestein und Geröll, und dann relativ eben vorbei am Triebenkarsee. Dann erfolgt ein steiler Aufstieg übers Gaißjoch (3024m) zum Gamsplatzl (3019 m). Hier oben sollte bei schönem Wetter ein toller Ausblick sein, aber Nebel und starker Wind vertreiben uns hier schnell. Wir machen uns über gerölliges Gelände, teils von Steinmandln markiert auf den steinigen steilen Abstieg. Die Wolkendecke reißt auf und eröffnet tolle Blicke auf die umliegenden Berge mit auffallend roten Felsen und mehreren Gletscherseen, die vom Pfaffenferner gespeist werden. Auch das Zuckerhütl und der Wilde Pfaff zeigen sich in ihrer imposanten Größe. Der Weg über die Geröllhalden ist anstrengend, aber wegen der einzigartigen roten Felsen doch wunderschön. An einem kleinen von roten Felsen gesäumten See machen wir unsere Brotzeitpause. Bald schon können wir die Hildesheimer Hütte auf der gegenüberliegenden Talseite sehen, aber der Weg dorthin erfordert erst noch einen steilen teils seilversicherten Abstieg und dann geht's nochmal steil hinauf zur Hildesheimer Hütte (2899m). Der heutige Tag war unserer Meinung nach die schönste Etappe unserer Wanderung.
6. Tag: Von der Hildesheimer Hütte (2899m) zur Hochstubaihütte (3173m)
Wir starten schon sehr früh (7:30 Uhr) bei leichter Bewölkung von der Hildesheimer Hütte zur Hochstubaihütte. Es zog ganz schnell Nebel auf, der Weg führte über steiles Geröll bergauf und dann am Rande des Gaiskarferner entlang hinauf zur Jochdohle. Inzwischen war wieder gute Sicht und wir waren uns einig dass der Blick auf den großteils abgedeckten Gaiskarferner kein Foto wert war. Dann führt der Weiterweg über Geröll vorbei am Windacher Ferner und anschließend über zeitraubendes Felsengelände.
Weiter gings bergauf / bergab in großem Bogen über den Fräulaskofel ins Warenkar und dann zum unteren Seekarsee. Vorbei an einer alten Notunterkunft und am oberen Seekarsee steigen wir dann wieder steil bergauf zur sogenannten Himmelsleiter. Erst oben am Grat angelangt sieht man die Hochstubaihütte (3173m) in greifbarer Nähe. Jetzt gehts nur noch relativ flach ein kurzes Stück über Blockgelände zur Hütte.
"Pünktlich" zum Abendessen um 18:00 Uhr trafen wir glücklich an der Hütte ein. Wir wurden sehr nett empfangen und bekamen das bequemste Zimmer, so dass keiner von uns eine Leiter hoch ins obere Stockbett kraxeln mußte. Außer uns waren nur noch 2 weitere Gäste auf der Hütte. Thomas, der Hüttenwirt, gab nach dem Essen eine Runde sehr wohlschmeckenden "Bergheu-Schnaps" aus. Daraufhin und nach der heute anstrengenden Tagesroute begaben wir uns schon früh zur Nachtruhe.
7. Tag: Von der Hochstubaihütte (3173m) zur Kleblealm (2015m) nach Sölden (1368m)
Der letzte Tag ist „nur“ noch der Abstieg. Um doch noch ein Gipfelkreuz auf der ganzen Tour erleben zu können, erklimmen wir den 30 Minuten entfernten Hohen Nebelkogel (3211m). Genießen die Aussicht auf Warenkarspitze, die Stubaier- und die Ötztaler Wildspitze. An der Hütte wieder angekommen satteln wir die Rucksäcke und meistern den steinigen, schorfigen und mühsamen Weg abwärts. Ab dem Laubkarsee wird es dann „gehfreundlicher“, wir genießen die Landschaft und das Windachtal kommt immer näher. Nach ca. 1200Hm bergab haben wir noch genügend Zeit für einen köstlichen Kaiserschmarrn an der Kleblealm bis der Wanderbus um 15:00 Uhr kommt. In Sölden erwartet uns ein großes Event: der Zieleinlauf des Ötztal Radmarathons. Mit Mühe kommen wir mit unseren Rucksäcken durch die Menschenmenge und können an der Giggijochbahn in unseren AV-Bus steigen. Eine interessante, erlebnisreiche und wunderschöne Wanderwoche ohne Verletzungen und Blessuren und mit 4020Hm Aufstieg, 3850Hm Abstieg und einer Strecke von 51km ist zu Ende! Vielen Dank an Reiner für die perfekte Organisation und Planung!
Dorothea,, Monika, Lisa, Sofie, Manfred