Blauer Himmel, roter Fels, Sonne und hellgrüne Blätter an den Bäumen erfreuen unsere Kletterherzen nach der langen Fahrt. Viele Bohrhaken, kaum andere Kletterer und der ein oder andere Riss… alles sehr verlockend. Zu dritt starten wir im Klettergarten St. Jakob. Nach einer „normalen“ Aufwärmroute geht’s schon in den ersten Riss. Ein paar Hand und Faustklemmer sind möglich, zusätzlich zu den Bohrhaken kann man noch Friends legen, da trauen sich auch die Rissneulinge mal ausprobieren, ob die Hand wirklich klemmt. Erstmal sehr ungewohnt… und eigentlich könnte man doch auch piazen.. aber nach ein bisschen Überwindung probiert es Theresa und es klappt auf Anhieb! Die Hand hält und dank Risshandschuh tut es auch nicht wirklich weh. Die Routen sind schön lang, es gibt Fingerrisse, Handrisse, Faustrisse und zum krönenden Abschluss noch einen kurzen Schulterriss – wie war das noch mit den Chickenwings? Schieben und drücken mit allem, was geht, bis der Ellenbogen blutet... Am schönsten ist der Offwidth wenn man wieder unten ist 😊 und der Fels in der Abendsonne golden leuchtet. Dann schnell zum Auto und kurz vor acht gerade noch rechtzeitig im Campingplatz einchecken, wo Lina auch gerade mit den Öffis eingetroffen ist. Bei leckeren Ravioli und Tiramisu wird der nächste Tag geplant. Theresa und Anderl wollen die „Il cielo sopra Bolzano“ machen, eine 8 Seillängen lange abwechslungsreiche 6b+ oberhalb der Haselburg. Lina und Susi die „Cojote“, eine 4 Seillängen lange 7a Trad Route an den Pfattner Wänden, die es auf’s Titelblatt des Topos geschafft hat.
Nach einem gemütlichen Frühstück bringen wir Anderl und Theresa zu ihrem Ausgangspunkt und fahren noch eine halbe Stunde quer durch Bozen zum 7km Luftlinie entfernten Parkplatz. Nach fast einer Stunde Zustieg durch superschöne, hügelige Waldlandschaft stehen wir am Abgrund und damit am Einstieg. Nach kurzer Brotzeit zur Nervenberuhigung seilen wir an einer alten Eiche die vier Seillängen ab auf ein gemütliches Band. Der Einstieg ist gleich die Crux – vom äußeren Ende des Bands nach links in einen breiten Riss kommen. Zum Glück ist im Grund des Offwidth noch ein Fingerriss, sowohl für einen Friend als auch für die Finger. Die ersten Meter sind das schwierigste, dann kommt ein Absatz zum Verschnaufen und ein schöner Handriss zum Stand. Mit Bravour steigt Lina die kommende 35m 7a vor, erst steiler Handriss, dann die Crux der Fingerriss und am Ende nochmal Handriss. Mit ein paar Pausen und schwer schnaufend komme ich hinterher. Superschöne Risse, aber an der Kraftausdauer fehlts noch... Die nächste Länge ist eine Plaisir Verschneidung im Zebralook - der Porphyr ist hellgelb und rötlich gestreift. Die abschließende 6a fühlt sich mindestens so schwer wie die 6b an, da im oberen Teil zwei große lockere Blöcke ausgekreuzt sind und dadurch Griffe fehlen. Glücklich und zufrieden stehen wir wieder oben und machen uns auf den Weg zum Auto, gerade rechtzeitig, um die beiden anderer nach ihrer gelungenen Tour wieder einzusammeln. Bei Pizza lassen wir den schönen Klettertag gebührend ausklingen.
Der angesagte Gewitterschauer nach dem Frühstück lässt uns erstmal losfahren. Bei Brixen haben wir Glück, denn der Klettergarten Mahr unweit der Autobahn ist gerade wieder abgetrocknet. Wir klettern ein paar schöne (und eine unschöne) Routen und als wir im Auto sitzen, fängt es gerade an zu regnen. Besser kann man’s nicht erwischen. Eine rundum schöne Ausfahrt, bei der alle auf ihre Kosten gekommen sind. Gerne wieder!
Bericht:
Susi Krause