© Susanne Brückner

Karwendeldurchquerung

23.08.2026

Karwendeldurchquerung 23.08. - 26.08.26  
 
Mit anreisebedingter Verzögerung hatten wir uns am Sonntagvormittag in Scharnitz zusammengefunden und starteten zu fünft gut gelaunt zu unserer Mehrtagestour quer durchs Karwendel.  
Der Aufstieg zur ersten Übernachtungsstation, der Pleisenhütte, verging wie im Flug. Unterwegs gab es genug zu erzählen und die Landschaft und die ersten Ausblicke zu bewundern. Eine kurze Stärkung genossen wir auf der Hüttenterrasse und machten uns dann noch auf den Weg zur Pleisenspitze, die einen grandiosen Rundblick aufs Karwendel bot. Zurück an der Hütte steckten uns doch 1600 hm in den Knochen, das leckere Abendessen war also wohlverdient und geschlafen haben wir auch bestens.  
Am nächsten Morgen stieg eine Teilnehmerin wieder nach Scharnitz ab, um in ihre Arbeitswoche zu starten. Wir verbliebenen Vier machten uns auf, den Toni-Gaugg-Weg unter die Fußsohlen zu bekommen. Der legendäre Pleisen-Toni, Erbauer und langjähriger Hüttenwirt auf der Pleisen hatte lange Jahre einen Übergang zum Karwendelhaus ausgetüftelt und wir freuten uns darauf, diesen Weg bei besten Bedingungen und strahlendem Sonnenschein zu entdecken. Nach den ersten Metern durch die Latschenlandschaft wurde es um uns rum schnell karger und felsiger, hoch und runter schlängelte sich der Weg auf schmalen oder auch breiteren Steigen, mal ausgesetzt, mal mit Stahlseil entschärft, mal sehr steil (Abstieg von der nördlichen Ödkarscharte), mal flacher, mal vorbei an Gemsen, mal an Felswänden, hinauf und dem Karwendel quasi aufs Dach. “Sind wir vielleicht doch in den Dolomiten gelandet?”, fragten wir uns mehrmals bei dem ein oder anderen Anblick. Die Weite und die Einsamkeit dieses Weges suchen wohl ihresgleichen. Zwischendrin hätten wir im Breitgriesskarscharten-Biwak, einem alten Bergwachtkoffer eines Unimogs, recht kuschelig zusammengerutscht, nächtigen können, wollten aber doch lieber weiter zum Karwendelhaus. Nach einem erfüllten Tag mit wenig Menschen, waren wir dort im Trubel einer vollen, großen Hütte gelandet und froh, im Nebenraum unseren etwas ruhigeren Essensplatz bekommen zu haben. Die Wetter-Berichterstattung des Hüttenwirts sorgte für Ernüchterung, so schön, wie die letzten beiden Tage sollte es wohl nicht weitergehen.  
Nach einer, trotz großem Dachgeschoss-Lager, guten Nacht ohne Tütengeraschel war der Blick aus der Haustüre wirklich ernüchternd: es war nass und kalt. So hieß es alles regensicher organisieren: für manchen waren die, an sich zur Bergwanzen-Abschreckung, mitgebrachten gelben Säcke ein würdiger Regenhosenersatz. Wir hofften darauf, dass es mit dem Regen nur besser werden konnte. Auch trennte sich wieder der Weg, Frank machte sich über die Hochlandhütte auf den Weg nach Hause und so waren wir nur noch drei. An die, an sich geplante, Überschreitung der Birkkarspitze war bei diesem Wetter nicht zu denken. Es lagen also 36km nasse Forststraße vor uns, ein echter Stresstest für die Regenausrüstung ....und für unsere Knochen. Die Laune ließen wir uns trotzdem nicht verderben. Zum Glück wurde der Regen immer mal wieder schwächer und wir gönnten uns den Luxus, 12 km im Karwendel-Taxi zu genießen. Mittags, als es nochmals ordentlich nass von oben wurde, fanden wir Unterschlupf auf Bierbänken im Stall der Kastenalm. Neben uns streckten die Schweine alle Viere von sich und dachten sich bestimmt: “Wer geht bei so einem Sauwetter schon freiwillig nach draußen?” Den anschließenden steilen Forsttraßenhatsch brachten wir dann ohne Regen-Dusche hinter uns und so langsam zeigte sich sogar wieder etwas blauer Himmel. Im Dreier-Zimmer, die Schuhe, Shirts und Hosen zum Trocknen versorgt, genossen wir einen ruhigen Hüttenabend, eine grandiose Abendstimmung und eine gute Nacht. 
Der vierte Tag startete schon fast mit Sonnenschein, der immer mehr wurde und so waren die Regenkleidungsvarianten wieder unten im Rucksack gelandet, als es losging. Alle waren wir gespannt auf den Ausblick auf Innsbruck von oben, der am Ende des Weges auf uns wartete. Erst ging es aber hinauf zum Ĺafatscher Joch und dabei vorbei an interessanten Felsformationen, in denen auch Klettergeschichte geschrieben wurde. Oberhalb der Stempelreisen zog der Weg auf das beeindruckend steile Stempeljoch zu. Von weitem ist nicht zu erahnen, dass man dort wirklich einen Übergang findet, auch wenn er die Verbindung von der Pfeis- zur Bettwelwurfhütte bietet, also viel begangen wird. Wir waren froh, dass wir ein etwas einsameres Zeitfenster erwischt hatten, der Schotter kann einem dort durchaus um die Ohren fliegen und die Treppenstufen-Höhe, falls man es Treppenstufe nennen kann, hat es in sich. Die Belohnung fürs Hinaufsteigen wartete direkt am Joch in Form einer geruhsam grasenden Steinbock-Herde. Nach einem kurzen Kuchen-Abstecher auf die Pfeishütte ging es weiter über die Mandlscharte zur Mühlkarscharte. Die Blicke gen Süden zeigten so langsam immer mehr von Innsbruck, der Blick in die anderen Richtungen zeigte noch die Großartigkeit des Karwendels, wir genossen die verschiedenen Ausblicke ausführlich. Ein weiterer Höhepunkt des Tages war die Überschreitungskraxelei auf die Gleirschspitze, ideal zum Brotzeiten am Gipfelkreuz. Im Anschluss waren wir bald umgeben von den Menschenmassen am Hafelekar, die drei Bahnen brachten uns im Ölsardinen-Quetschmodus mitten hinein nach Innsbruck. So schnell kann es vorbei sein mit Weite und relativer Einsamkeit - die Seele hing noch etwas hinterher und die Eindrücke der vier Tage wirken noch länger nach. 
In Innsbruck trennten sich dann unsere Wege, Uwe bestieg wegen der besten Verbindung, den Zug übers Inntal nach Hause, Tom und ich durften bei der Zugfahrt nach Scharnitz entlang der Martinswand noch etwas Bergluft genießen.  
Schön wars auf dieser sehr lohnenswerten, langen und höhenmeterintensiven Tour mit insgesamt meist super Bedingungen. Ein dickes Danke an Uwe! 
Susanne