© Lina Brückner

Hochtouren-Grundkurs in den Hohen Tauern 06.-09.08.2026

06.08.2026

Am ersten Augustwochenende trafen wir uns am Donnerstagmorgen am Fuße der Krimmler Wasserfälle. Mit dem Hüttentaxi fuhren wir ins längste Tal der Hohen Tauern. 22 km später stiegen wir noch rund 500 hm auf und starteten anschließend direkt mit der ersten Einheit. Wir lernten die Grundlagen unserer Ausrüstung kennen, die wichtigsten Knoten und konnten uns, während draußen das Kaltfrontgewitter tobte, in der Selbstrettung ausprobieren. Die Hütte verfügt über einen fantastischen Seminarraum, in dem auch bei schlechtem Wetter alle Grundlagen vermittelt werden können, die für sicheres Hochtourengehen wichtig sind. Am Abend wurde unser Hunger durch ein hervorragendes 4-Gänge-Menü in der neuen Zirbenstube gestillt.  
Nach einer mehr oder weniger ruhigen Nacht ging es am Freitag zum ersten Mal auf den Gletscher. Wir liefen weite Teile über eine Landschaft, die seit Jahrhunderten vom Eis bedeckt war, und über vom Gletscher glatt geschliffene Steine. Sie zeigten uns, wie mächtig das Eis einst gewesen war.  
An der Gletscherzunge angekommen, legten wir die Steigeisen an und starteten mit einem Steigeisen-Parcours. Nachdem wir uns alle sicher genug fühlten, übten wir die erste Rettungstechnik: den Mannschaftszug. Währenddessen hielten wir ständig das Wetter im Blick, da für den Abend erneut Gewitter angesagt waren. Kurz nach 14 Uhr ging es zurück zur Hütte. Das Gewitter kam, der Regen auch und der Seminarraum war besetzt, aber die Kursinhalte mussten dennoch vermittelt werden. Am Außenbalkon verfeinerten wir im strömenden Regen die Selbstrettung und lernten weiterführende Techniken kennen. 
Beim Abendessen entschied die Gruppe, den Samstag für die Tour zu nutzen, da für diesen Tag stabiles Wetter angesagt war. So mussten wir nicht den Stress haben, abends noch absteigen zu müssen, wie es bei einer Tour am Sonntag der Fall gewesen wäre. Also hieß es nach dem Abendessen: Tourenplanung mit der Karte. Da es keinen Handyempfang gab, mussten wir analog planen. 
Am Samstagmorgen starteten wir pünktlich nach dem Frühstück zu unserer ersten Gletschertour. Wir mussten sie selbstständig führen, natürlich unter Aufsicht unserer beiden Tourenleiterinnen. Nachdem wir den Gipfel vor dem Gletscher (Gammspitzl, 2888 m) bezwungen hatten, ging es über einen Felsriegel auf das apere Krimmlertörlkees und weiter auf das ebenfalls apere Obersulzbachkees. Da nirgends Firn zu finden war, mussten wir uns unangeseilt auf dem Blankeis den Weg durch die Spaltenzone suchen. Unsere Tourenleiterinnen sicherten einzelne Abschnitte immer wieder mit Geländerseilen, sodass wir sicher zur Mitte des Gletschers gelangten. Dort trafen wir auf ein kleines Firnfeld, sodass wir doch noch anseilen und das Gehen in Seilschaft ausprobieren durften. In zwei Seilschaften mit ordentlichen Abständen und Bremsknoten betraten wir vorsichtig das Firnfeld, denn uns war bewusst, dass die Firnauflage sehr dünn und ein Spaltensturz deshalb nicht auszuschließen war. Kurz vor dem Übergang aufs Blankeis brach dann auch eine Schneebrücke und eine Person lernte den Gletscher unfreiwillig von innen kennen. Nach einer unkomplizierten Rettung suchten wir uns erstmal einen flachen und sicheren Punkt auf dem Gletscher, um die Situation nachzubesprechen. Wir entschieden uns dazu, den Rückweg anzutreten und lieber noch Zeit zu haben, in einem kleinen Schneefeld Firnanker zu üben. Besonders eindrücklich erlebten wir an diesem Tag, wie der Gletscher sichtbar unter unseren Füßen wegschmolz. 
An unserem letzten Tag ging es noch einmal auf den hüttennahen Gletscher, um die ausstehenden Sicherheitstechniken „Lose Rolle” zu üben. Außerdem durften wir uns aus einer Gletschermühle selbst retten und so die im „Trockenen“ gelernten Techniken am Gletscher anwenden. Am späten Nachmittag fuhr uns der Hüttenwirt aus dem Tal heraus. Während der Fahrt sahen wir eine riesige Mure, die das Krimmler Achental auf einer Länge von ca. 250 m vermurt hatte. Er erzählte uns, dass wir von der Außenwelt abgeschnitten gewesen waren. Da es kein Internet gab, bekam jedoch niemand von uns davon mit – auch mal eine schöne Erfahrung, etwas nicht zu wissen.  
Insgesamt war es ein sonniges, lehrreiches und abenteuerliches Wochenende. Danke an Lina und Theresa für die tolle Begleitung!