© Robert Huber

Alpine Klettersteige in den Dolomiten

Sechs Tage voller Fels, Höhenmeter und beeindruckender Landschaften

24.07.2026

Tag 1 – Aufbruch Richtung Dolomiten 

Los geht’s in Weßling. Die Vorfreude ist groß, der Rucksack gepackt und das Ziel klar: die Klettersteige in den Dolomiten. Über Garmisch-Partenkirchen und Innsbruck geht es zügig Richtung Brenner. Über den Brenner geht es weiter nach Sterzing. Hier legen wir unseren ersten Stopp ein. Der erste Kontakt mit dem Fels. Direkt bei Sterzing liegt der Ölberg-Klettersteig, nur wenige Minuten von der Autobahn entfernt. Perfekt für einen ersten Test. Also Auto abstellen, Rucksack schultern, Helm auf und ab an den Fels. Der Ölberg-Klettersteig soll vor allem zum Eingewöhnen dienen. Die Ausrüstung wird angelegt, die Karabiner werden eingehängt und schon geht es in die ersten C- und D-Passagen. Langsam arbeiten wir uns nach oben. Tritt suchen, Griff finden, Karabiner umhängen. Die ersten Meter sind noch etwas ungewohnt, aber schnell stellt sich wieder das vertraute Gefühl ein. Die Ausrüstung funktioniert, die Bewegungen werden sicherer und wir kommen gut nach oben. Der erste Felskontakt ist damit erfolgreich absolviert. Ein kurzer, aber durchaus knackiger Einstieg in die kommenden Tage. Nach dem Klettersteig geht es wieder ins Auto. Unser eigentliches Ziel liegt noch ein gutes Stück weiter: Canazei, mitten in den Dolomiten. Aus den Bergen werden gewaltige Felsmassive, und spätestens jetzt ist klar, dass wir hier richtig sind. Allerdings hat auch ein ambitionierter Bergsteiger gewisse Grundbedürfnisse. Und so muss auf dem Weg natürlich noch ein großer Eisbecher sein. Schließlich braucht der Körper nach einem Klettersteig dringend Kohlenhydrate, Zucker und – wissenschaftlich vermutlich völlig unbestritten – eine ordentliche Portion Sahne. Der Eisbecher wird fachgerecht vernichtet und die Reise anschließend fortgesetzt. Am späten Nachmittag erreichen wir schließlich Canazei und beziehen unser kleines Airbnb. Genau das, was wir für die nächsten Tage brauchen: ein Platz zum Schlafen, und vor allem ein Ausgangspunkt für unsere Dolomiten Klettersteige. Die Rucksäcke werden ausgepackt, die Ausrüstung für den nächsten Tag vorbereitet und die ersten Touren schon einmal diskutiert. Der erste Tag ist geschafft. Und während wir uns bei Vino Rosso und italienischem Essen langsam auf den nächsten Tag einstellen, wissen wir noch nicht, dass der Eisbecher wahrscheinlich eine der leichteren Herausforderungen dieser Reise bleiben wird.

Tag 2 – Zwischen Marmolata und Felsgrat 

Nach einem richtig guten Frühstück sind wir bestens gerüstet für unseren ersten großen Tourentag. Der Vorteil unserer Unterkunft in Canazei: Wir müssen nicht erst lange mit dem Auto fahren. Ein paar Kilometer vor der Haustür liegt bereits der Fedaiasee – und genau hier beginnt unsere heutige Tour. Schon der Zustieg ist beeindruckend. Direkt neben uns erhebt sich die Marmolata mit ihren Gletschern. Während wir langsam an Höhe gewinnen, begleitet uns dieser gewaltige Anblick. Ein Panorama, bei dem man eigentlich ständig stehen bleiben möchte, um Fotos zu machen. Eigentlich. Denn wir haben heute einen Plan. Und der heißt:  
Unser Weg führt hinauf zum Portavescovo, einem Ort, den im Winter vor allem die Skifahrer bestens kennen. Heute sind allerdings keine Skier gefragt, sondern feste Bergschuhe, Klettersteigset und vor allen gute Kondition. Oben angekommen, beginnt unser Klettersteig „Ferrata delle Trincee“. Schon der Einstieg mit einigen D Stellen macht deutlich, dass heute kein gemütlicher Spaziergang auf uns wartet. Steil geht es bergauf, die ersten Höhenmeter haben es bereits in sich. Danach führt der Steig immer wieder steil auf und ab über markante Felszacken und eine Hängebrücke und entlang des Grates. Links und rechts geht es mehrere hundert Meter senkrecht nach unten. Und Blicke in jede Richtung sind beeindruckend. Links der Sellastock mit dem Boe Gipfel. Vor uns die Civetta und die Tofana, rechts der Marmolata Gipfel mit seinen Gletschern. Wir konzentrieren uns lieber auf den nächsten Tritt und den nächsten Griff. Immer weiter führt der Steig über den Grat. Wir klettern, mal über schmale Passagen und zwischendurch immer wieder ein Stück auf und ab. Genau diese Mischung macht den Reiz der Tour aus. Dann erreichen wir einen besonders markanten Punkt: eine alleinstehende Felsnadel „Sasso dell’Eremita“, die spektakulär aus der Landschaft ragt. Eigentlich könnte man einfach daran vorbeigehen. Eigentlich. Aber wenn man schon einmal hier ist, dann müssen wir auch da rauf. Also wird auch die Felsnadel bestiegen. Warum? Weil sie da ist und weil wir es können. Der weitere Weg führt vorbei an vielen alten Wehrmachtsstellungen und Tunneln. Die Relikte aus vergangenen Zeiten liegen mitten in dieser beeindruckenden Berglandschaft und erinnern daran, dass diese Berge nicht immer nur Kulisse für Wanderer und Kletterer waren. Immer weiter geht es auf und ab. Der Grat fordert Konzentration und Kondition, und langsam macht sich bemerkbar, dass wir bereits viele Stunden unterwegs sind. Am Ende des langen Klettersteigs kommt dann genau das, worauf man in solchen Momenten besonders gerne trifft: eine Hütte. Das Timing könnte kaum besser sein. Also Pause, ein Apfelstrudel und Weißbier muss sein – und vor allem noch einmal Kräfte sammeln. Schließlich wartet noch der letzte Abstieg auf uns. Mit inzwischen ziemlich müden Beinen machen wir uns auf den Rückweg. Der Abstieg zieht sich, aber irgendwann ist auch der geschafft. Fast neun Stunden sind wir insgesamt unterwegs. Neun Stunden Fels, Grat, Höhenmeter, Kletterei und beeindruckende Ausblicke. Zurück in unserer Unterkunft sind wir entsprechend erledigt. Viel reden möchte eigentlich niemand mehr. Nur eine Frage steht noch im Raum: Was gibt es zu essen? Die Antwort ist schnell gefunden. Nach so einem Tag muss es italienisch sein. Pasta oder Pizza – Hauptsache viel davon, und natürlich Vino rosso. Und so endet unser zweiter Tag genau so, wie ein ordentlicher Dolomiten-Klettersteigtag enden sollte: mit müden Beinen, gutem Essen und dem beruhigenden Gefühl, dass morgen ja wieder ein neuer Tag ist. Ob die Beine das genauso sehen, wird sich allerdings erst beim Aufstehen zeigen.

Tag 3 – Langkofel, Gewitter und ein nasser Apfelstrudel

 Der Wetterbericht für heute verheißt nichts Gutes. Für den Nachmittag ist eine Wetterstörung angekündigt, Gewitter sind möglich. Für uns bedeutet das vor allem eines: früh aufstehen und früh losgehen. Das Ziel steht fest: Über den Sella-Pass geht es zum Langkofel, der über einen Klettersteig gesichert ist. Also starten wir zeitig. Der frühe Start zahlt sich aus. Die Morgenluft ist angenehm, die Sicht hervorragend und das Wetter zunächst stabil. Genauso hatten wir uns das vorgestellt. Allerdings ist heute Sonntag und Haupreisezeit. Und das merkt man spätestens am Parkplatz, wo wir einen der letzten Plätze bekommen. Wir sind nicht allein. Wir steigen über die Langkofelscharte zum Einstieg des „Furcela de Saslonch“ Klettersteigs bei der mittleren Spitze des Langkofels Der Klettersteig selbst ist wirklich beeindruckend. Immer wieder eröffnen sich fantastische Ausblicke auf die umliegenden Gebirge. Der Sella-Stock liegt majestätisch vor uns, die Marmolata ist zu sehen und auch der Rosengarten präsentiert sich in seiner ganzen Pracht. Man möchte ständig stehen bleiben und schauen. Nur leider gibt es da noch ein kleines Problem: Der Klettersteig muss weiter gegangen werden und es warten noch viele Höhenmeter am Stahlseil auf uns. Und die fordern uns durchaus. Steile Passagen, Fels und immer wieder Stellen, an denen man ordentlich zupacken muss. Die Konzentration lässt nach einigen Stunden langsam nach, während die Beine gleichzeitig daran erinnern, dass wir gestern bereits neun Stunden unterwegs waren. Trotzdem geht es weiter. Meter für Meter. Nach gut drei Stunden erreichen wir schließlich die Langkofel-Scharte mit der Toni Demetz Hütte. Das Wetter hält – noch. Und genau deshalb entscheiden wir uns, nicht lange zu überlegen, sondern direkt zu einer Hütte abzusteigen. Eine ausgezeichnete Entscheidung. Zumindest zunächst. Kaum angekommen, ergattern wir einen der letzten Plätze auf der Terrasse. Wir sitzen, ich bestelle natürlich Apfelstrudel und Kaffee, und genießen das Gefühl, dass der Wetterbericht nicht recht gehabt hat. Dann passiert es. Ein erster Tropfen. Noch einer. Und plötzlich geht es los. Das Gewitter kommt. Während wir unter der sich zunehmend verfinsternden Wolkendecke sitzen, wird aus dem gemütlichen Hüttenaufenthalt eine kleine Wetterbeobachtungsstation. Und mein Apfelstrudel bekommt dabei eine ganz besondere Spezialbehandlung: Es regnet darauf. Nicht viel. Aber genug, um festzustellen, dass Apfelstrudel mit zusätzlicher Bergregen-Sauce kulinarisch nicht unbedingt eine Marktlücke darstellt. Also bleibt uns nur der Rückweg. Im strömenden Regen machen wir uns auf den Abstieg. Regenjacken an, Kapuze auf und los. Der Weg zurück zum Auto ist nass, rutschig und zieht sich. Aber irgendwann ist es geschafft. Und jetzt kommt der Teil, den man sich eigentlich nicht ausdenken könnte: Kaum sind wir am Auto, hört es auf zu regnen. Natürlich. Die Dolomiten haben offenbar ihren eigenen Humor. Wir nehmen es gelassen. Schließlich sind wir wieder trocken untergebracht und der Nachmittag ist noch nicht vorbei. Also geht es nach Canazei. Wenn man schon nicht mehr klettern kann, kann man schließlich auch shoppen. Wir schlendern durch die Geschäfte, lassen den Tag etwas ruhiger ausklingen und genießen anschließend noch einen wunderschönen Rückweg entlang eines Bergbachs zurück zu unserer Unterkunft. So endet ein Tag, der eigentlich mit einem Gewitter hätte enden sollen, dann aber doch noch ein versöhnliches Finale bekommt. Und wir lernen eine wichtige Lektion: In den Dolomiten sollte man dem Wetterbericht glauben. Aber noch wichtiger: Man sollte immer rechtzeitig eine Hütte erreichen – und seinen Apfelstrudel immer unter einen Schirm essen. 

Tag 4 – Wenn die Marmolata nicht will, geht’s eben zum Rosengarten 

Eigentlich war der Plan für heute klar: Marmolata. Der höchste Berg der Dolomiten stand auf unserem Programm. Doch manchmal haben die Berge andere Pläne. Einheimische Bergführer rieten uns dringend von der Tour ab. Die Verhältnisse seien in diesem Jahr wegen des vorhandenen Plankeises nicht gut. Also hieß es: Plan ändern. Für uns allerdings kein großes Problem. Schließlich befinden wir uns in den Dolomiten – und wenn ein Berg nicht möchte, findet sich hier ziemlich schnell ein anderer. Unser neues Ziel: das Rosengartengebiet. Wir fahren zum Karer Pass, stellen dort unser Auto ab und machen uns auf den Weg zur Rotwandhütte. Schon der Zustieg lässt erahnen, dass uns heute wieder ein besonderer Tag erwartet. An der Hütte warten der wunderschöne Majare- Klettersteige und der Rotwand- Klettersteig auf uns. Das Wetter könnte besser nicht sein. Strahlender Sonnenschein, klare Sicht und ein Panorama, bei dem man sich eigentlich fragt, warum man überhaupt noch weiterklettern sollte. Vor uns liegen der Latemar, der Sella-Stock und zahlreiche weitere Gipfel der Dolomiten. Allerdings hat die fantastische Aussicht einen kleinen Nachteil: Wir sind nicht die Einzigen, die sie genießen wollen. Diesmal herrscht auf dem Klettersteig ordentlich Gegenverkehr. Und Gegenverkehr ist auf einem schmalen Klettersteig ungefähr so angenehm wie zwei Autos auf einer einspurigen Bergstraße – nur dass man nicht einfach an den Rand fahren kann. Also heißt es immer wieder warten, ausweichen, vorbeilassen und hoffen, dass der Gegenüber möglichst nicht genau an der Stelle stehen bleibt, an der man selbst gerade gerne weiterklettern würde. Trotzdem genießen wir die Tour. Über Stunden geht es im stetigen Auf und Ab durch sehr ausgesetztes Gelände. Mal klettern wir steil nach oben, dann wieder ein Stück hinunter, über Felsgrate und entlang der gewaltigen Felsformationen des Rosengartens. Die Beine werden müde. Die Arme auch. Aber die Aussicht entschädigt für alles. Und irgendwann erreichen wir schließlich unser Tagesziel: den Rotwand-Gipfel auf 2.806 Metern Höhe. Oben angekommen, ist erst einmal Durchatmen angesagt. Wir haben es geschafft. Der Blick über die Dolomiten ist fantastisch und lässt die Anstrengungen der letzten Stunden für einen Moment vergessen. Genau für solche Augenblicke macht man diese Touren. Allerdings hat jeder Gipfelbesuch einen entscheidenden Nachteil: Man muss irgendwann wieder runter. Und so beginnt der lange Abstieg. Nun geht es stetig bergab. Was sich zunächst nach einer angenehmen Abwechslung anhört, wird nach mehreren Stunden Klettersteigarbeit ebenfalls zur sportlichen Herausforderung. Doch irgendwann liegt auch dieser letzte Abschnitt hinter uns. Nach insgesamt fast acht Stunden erreichen wir wieder unser Auto. Müde, aber zufrieden. Die Marmolata haben wir zwar heute nicht bestiegen – aber ehrlich gesagt hätten wir es kaum besser treffen können. Wieder einmal hat sich gezeigt: Wenn ein Plan in den Dolomiten nicht funktioniert, ist das noch lange kein Grund zur Sorge. Man fährt einfach zum nächsten Berg. Und dort wartet garantiert das nächste Abenteuer. 

Tag 5 – Die Königsetappe: Auf die Tofana 

Heute heißt es früh aufstehen. Wir verlassen unser Airbnb in Canazei endgültig und fahren in Richtung Falzarego-Pass und Cortina. Unser heutiges Ziel ist die Königsetappe unserer Tour: die Tofana. Schon die Tourdaten sorgen für Respekt. Rund 1.500 Höhenmeter liegen vor uns. Davon führen etwa 780 Höhenmeter über den Klettersteig C/D. Dazu ein rund 300 Meter langer Wehrmachtstunnel, steile Felswände, ausgesetzte Felsbänder und am Ende der Gipfel der Tofana di Rozes auf rund 3.225 Metern Höhe. Kurz gesagt: Heute wird es nicht langweilig. Startpunkt ist die Dibona-Hütte, in der wir am Abend auch übernachten wollen. Schon früh machen wir uns mit zahlreichen anderen Bergsteigern auf den Weg. Die Stimmung ist eine Mischung aus Vorfreude und Respekt vor dem, was vor uns liegt. Dann erreichen wir den Einstieg zum Klettersteig „Giovanni Lipella“. Der erste Abschnitt führt durch einen rund 300 Meter langen steilen Tunnel, der während des Ersten Weltkriegs angelegt wurde. Im Inneren befinden sich noch beeindruckende Relikte und Stellungen aus dieser Zeit. Es ist ein eigenartiges Gefühl, durch diesen dunklen Tunnel zu steigen und sich gleichzeitig bewusst zu machen, unter welchen Umständen er einst genutzt wurde. Nach einiger Zeit erreichen wir ein Tunnelfenster. Und dort geht es hinaus – direkt hinein in die gewaltige Bergwelt. Ab jetzt wird es ernst. Der Klettersteig führt extrem steil nach oben. Immer wieder wechseln sich ausgesetzte und technisch anspruchsvolle Passagen mit längeren Schutt- und Geröllbändern ab. Die Konzentration ist gefordert. Die Arme werden müde. Und die Beine beginnen irgendwann, dezent darauf hinzuweisen, dass sie bereits einige Höhenmeter geleistet haben. Aber es geht weiter. Höhenmeter für Höhenmeter. Die Landschaft wird mit zunehmender Höhe immer beeindruckender. Gleichzeitig wird die Luft dünner und die Anstrengung größer. Nach vielen Stunden erreichen wir schließlich den Gipfelaufbau. Eigentlich könnte man jetzt meinen, das Ziel sei fast erreicht. Fast. Denn vor uns liegen noch rund 250 Höhenmeter über schotterartige, steile Wege bis zum Gipfel. Also noch einmal Zähne zusammenbeißen und weiter. Und irgendwann ist es tatsächlich geschafft. Die Tofana di Rozes ist erreicht. Nach sechs Stunden, unzähligen Höhenmetern und einer gehörigen Portion Ausdauer stehen wir auf rund 3.250 Metern. Und dann passiert das, was auf einem solchen Gipfel eigentlich immer passiert: Man ist plötzlich still. Denn die Aussicht ist schlichtweg atemberaubend. In jede Richtung öffnen sich gewaltige Blicke über die Dolomiten. Gipfel an Gipfel, Felswände, Grate und Täler – eine Bergwelt, die man kaum schöner hätte planen können. Wir nehmen uns ausgiebig Zeit. Irgendwann heißt es aber: zurück. Und der Rückweg hat es ebenfalls in sich. Der steinige, geröllige Abstieg fordert noch einmal volle Konzentration. Nach einem so langen Tag sind die Beine längst müde, und jeder Schritt will bewusst gesetzt werden. Aber wir haben ein erstes Ziel: das urige Ruf. Giussani Hütte. Kurze Stärkung und weiter geht’s ins Tal Nach insgesamt fast zehn Stunden erreichen wir endlich die Hütte. Geschafft. Zum Glück wartet und ein sehr gutes Abendessen und ein Bett auf uns – genau das Richtige nach diesem langen Tag. Und als wäre das noch nicht genug, bekommen wir zum Abschluss des Tages ein ganz besonderes Geschenk. Die Sonne geht langsam unter und taucht die gewaltigen Dolomitenberge in ein tiefes, warmes Rot. Wir schauen einfach nur zu. Nach zehn Stunden Klettersteig, 1.500 Höhenmetern, Tunnel, Fels, Geröll und Gipfel fühlt sich dieser Moment fast unwirklich an. Ein Wahnsinnstag. Und wahrscheinlich der Tag, an den wir uns noch lange erinnern werden.

Tag 6 – Ein eisiger Abschluss 

Nach den Anstrengungen der vergangenen Tage beginnt unser letzter Morgen ganz entspannt. Ein schönes Frühstück auf der Dibona-Hütte, noch einmal die Bergluft genießen und die Eindrücke der letzten Tage Revue passieren lassen. Dann heißt es: Rucksäcke packen, ab ins Auto und Richtung Heimat. Sechs Tage Dolomiten liegen hinter uns. Aber natürlich wäre es kein würdiger Abschluss einer Klettersteigtour, wenn wir einfach nur nach Hause fahren würden. Also legen wir noch einen letzten Stopp ein – am Toblacher See. Und dort wartet die letzte sportliche Herausforderung auf uns: Schwimmen. Bei eisigen Wassertemperaturen. Nach fünf Tagen Klettersteigen, 1.500 Höhenmetern auf die Tofana und diversen ausgesetzten Felspassagen erscheint uns ein Sprung in einen eiskalten Bergsee zunächst fast schon vernünftig. Zumindest solange man noch nicht im Wasser ist. Die Runde fällt entsprechend kurz aus. Danach geht es endgültig Richtung Heimat. Im Gepäck haben wir müde Beine, viele Fotos und jede Menge Erinnerungen an sechs Tage voller Fels, Höhenmeter, beeindruckender Landschaften und so mancher Herausforderung. Was bleibt, ist vor allem die Erkenntnis, wie unglaublich abwechslungsreich und beeindruckend die Dolomiten sind. Und natürlich ein ganz besonderer Dank an unseren Guide Uwe, der diese tolle Tour ausgearbeitet und uns damit sechs unvergessliche Tage beschert hat. Die Touren werden uns noch lange in Erinnerung bleiben.  
Robert Huber