© Lina Brückner

Grundkurs Mehrseillängen am Gimpelhaus

12.06. - 14.06.2026

12.06.2026

Vom Sportklettern in der Halle raus ins Gelände zum Alpinklettern - dieser Schritt ist für viele Kletternde ein großer, und genau darauf bereitet ein Mehrseillängen-Kurs vor. Im Mittelpunkt stehen geeignete Sicherungstechniken, der richtige Ablauf beim Klettern über mehrere Seillängen sowie die Optionen von Wechsel- und Blockführung in Zweier- und Dreier-Seilschaften, dazu Standplatzbau und Abseilen. So auch beim Grundkurs am Gimpelhaus vom 12. bis 14. Juni 2026. 
Eigentlich war der Kurs nicht als Senioren-Angebot ausgeschrieben, letztlich war er es aber - mit sieben Teilnehmenden 55+, alle mit mehr oder weniger Erfahrung, die teilweise Jahrzehnte zurück lag. Jung waren mit 24 und 27 Jahren lediglich die beiden (großartigen!) Trainer Lina Brückner und Nils Wütherich.  
Und denen schwante bereits vorab im Whatsapp-Chat, dass sie es hier mit einer besonderen Gruppe zu tun haben würden. Statt bei der Umfrage zum vegetarischen Essen einfach einen Klick zu setzen (wie es „die Jugend“ macht), schickten die Oiden ihre Essensvorlieben einzeln in den Chat, garniert mit – man ist ja inzwischen auch digital unterwegs – einer ganzen Emoji-Menükarte.   
Dann die Ausrüstungskunde - für manche Teilnehmenden quasi ein Fremdsprachenkurs mit vielen neuen Vokabeln: Reverso, Tibloc, Micro Traxion, Smart, Air Traffic Control, Jul etc. etc. Und Alpin-Exen assoziierten manche eher mit Zoologie anstatt mit Kletterausrüstung. 
Dass die Trainer für die Oiden ein paar Extraportionen Geduld brauchten, wurde endgültig Gewissheit am Freitagabend an der Übungswand im Gimpelhaus, als es an den Standplatzbau ging. Wenn jemand sein Leben lang das Seil wie Mickey-Maus-Ohren für den Halbmast- oder Mastwurf mit zwei Händen zusammengelegt hat, geht das einhändige Drehen nicht mehr so schnell in das alte Hirn. Und um die Gravuren auf dem Tube zu erkennen – und somit sagen zu können, ob das Seil zum Kletterer verläuft – muss erst noch die Lesebrille gesucht werden. Ein ziemliches Risiko, was bei dieser Gruppe also mitklettert. Umso erstaunlicher, wie Lina und Nils uns fit und sicher gemacht haben. Denn ja – Spoiler: am Sonntag sind wir tatsächlich eine Mehrseillängen-Tour geklettert. Und trotz dieser nicht einfachen Konstellation berücksichtigten Lina und Nils sogar noch Sonderwünsche, wer mit wem zusammen klettern wollte.   
Unsere beiden Trainer hatten dabei gefühlt mindestens einen Klon – sie waren einfach überall gleichzeitig, nahmen die eine Gruppe in Empfang, vermittelten der nächsten Gruppe beim Start Selbstsicherheit und verloren im Seil-Wirrwarr an den Standplätzen niemals den Überblick. Sie griffen ein, falls nötig – grrr, der Schraubkarabiner wieder nicht zugeschraubt – und ließen uns so viel wie möglich selbst machen. Bis hin zum Abseilen – was mit der strukturierten Methode des gemeinsamen Einbindens und Partnerchecks heute anders verläuft als früher. 
Dabei ging dem einen oder anderen am frühen Samstag zwischendurch noch die Düse, doch die ausführliche Besprechung des Topos am Abend – inklusive aller Optionen und Bedingungen – sorgte dafür, dass sich alle ausreichend gewappnet fühlten. Und wie ein gutes Omen für das kleine Felsabenteuer am nächsten Tag erstrahlten in den Bergen rund um das Gimpelhaus anlässlich der Tradition des Herz-Jesu-Feuers Samstagnacht unzählige Fackelkreuze und -herzen.